Indexseite
San Francisco -
Yellowstone
Yellowstone -
Chicago
Niagara Falls -
Neuengland
Pennsylvania -
Florida
Florida -
New Orleans
New Orleans -
Las Vegas
Das Colorado 
Plateau
 Oregon +
Washington
Klicke auf das Bild um es gross zu sehen

4. Etappe: Von Pennsylvania nach Florida

Vorwort: Eine (fast) unglaubliche Geschichte:
Wir erreichen Pennsylvania und unser erstes Ziel ist ein Aussichtspunkt am Delaware River. Leider sind wir etwas spät, die Sonne ist gerade verschwunden, der Parkplatz leer, nur ein einsamer Fotograf packt gerade sein Stativ ins Auto.
Wir halten neben ihm und Heiner fragt ihn nach einem guten Standpunkt, weil wir am nächsten Tag wiederkommen  wollen.

Er ist nett und gesprächig, "Italian Origin", war früher Fussballprofi und hat auch schon mal gegen Beckenbauer gespielt, sagt er. Wo wir denn heute nacht bleiben, will Nicodemo Rinaldis (What a name!) wissen. "Wir suchen irgendeinen Campingplatz mit Dusche", antworten wir.
"Kommt doch mit zu mir", schlägt er vor. "Auf meiner Einfahrt könnt Ihr parken und eine Dusche habe ich auch". Heiner und ich schauen uns an und wissen: das machen wir.

Er fährt 16 Meilen voraus, wir hinterher. Carmela, seine Frau, schaut zunächst verdutzt, ist so etwas von ihrem Mann aber gewohnt. Sie bereitet ein köstliches Abendessen, während wir mit Nico plaudern.

Er ist zu unserer Überraschung und Freude nicht nur nett und gastfreundlich, sondern darüber hinaus ein exzellenter Fotograf, aber auch Physiker und Philosoph und schreibt auch noch Gedichte.
Dazu ist er ein Energiebündel, wir teilen viele Interessen und nach kurzer Zeit haben wir das Gefühl, mit einem alten Freund zusammen zu sein.
Was für ein Glücksfall, denken wir, einem Fremden durch die Nacht zu folgen und sich so wohl zu fühlen.

Dann platzt eine kleine Bombe:
Heiner hat inzwischen geduscht, sich rasiert und die Baseballkappe abgenommen. Nico schaut ihn plötzlich an und fragt:
"Warst Du 1998 in den USA?"
Heiner bejaht, "im Juli, in Colorado". Und Nico fragt weiter: "Warst Du im Black Canyon of the Gunnison?" "Ja", antwortet Heiner. "Und", so Nico, "hast Du dort morgens um 6 Uhr den Canyon fotografiert?"
Plötzlich erinnert sich auch Heiner: "Dann warst Du der Fotograf, der rechts neben mir stand, mit einem Freund!"
Gesprochen haben sie vor einem Jahr ausser "Good Morning" nicht miteinander, aber 60 Minuten lang 10 m voneinander entfernt fotografiert, und sich jetzt - wenn auch etwas verspätet - wiedererkannt.

Zufall, Fügung, Schicksal ???

Egal, wir verleben 2 wunderbare Tage mit den beiden, mit denen wir uns erstaunlich eng verbunden fühlen. Wir sollen noch bleiben, aber es zieht uns weiter, und so trennen wir uns schweren Herzens. Wir werden in Kontakt bleiben, und uns sicher wiedersehen, irgendwann!

4.Etappe

Die Amish People in Lancaster/Pennsylvania sind unser nächstes Ziel.
Diese konservative religiöse Gemeinschaft lebt noch - im Lancaster County relativ konzentriert- wie im letzten Jahrhundert und lehnt alle technischen Errungenschaften der Neuzeit ab (z.B. Strom, Autos, Telefon und künstl.Bewässerung). Entsprechend pittoresk sind sie anzusehen, mit ihren Hosenträgern, Hüten oder Häubchen, in ihren Pferdekutschen im normalen Strassenverkehr, oder beim Pflügen der Felder mit dem Vierspänner.
Leider wollen sie nicht von vorne fotografiert werden, aus religiösen Gründen lehnen sie Bildnisse ab, und das müssen wir natürlich respektieren.
Trotzdem mischen sie im Tourismusgeschäft kräftig mit, vor allem mit Kunsthandwerk (Quilts) aber auch mit Restaurants. "Amish Food" (natürlich nach alten Rezepten) scheint lecker zu sein, denn die Restaurants haben mittags Warteschlangen.

In der örtlichen "Public Library" von Strasburg, beim Checken unserer emails,lernen wir Sandy, die Leiterin, kennen. Wir kommen ins Gespräch und erzählen ihr, wie sehr wir bedauern, die Amish People nur aus der Sicht der Touristen und von Ferne zu sehen, ohne sie näher kennenlernen zu können.
Zu unserer grossen Überraschung und Freude bietet sie  uns an, Kontakt zu einer Amish Frau herzustellen. Am nächsten Tag, ab 10:00Uhr, sollen wir Mary Fisher zu Hause besuchen.  Das machen wir, und erleben eine Überraschung:

Mary Fisher bewohnt ein kleines altes Haus mit Garten, viele Kerzen brennen, obwohl es auch eine Gaslampe gibt. Sie ist 58, unverheiratet (eine Seltenheit und nicht ganz einfach) und von erfrischender Offenheit. Sie ist deshalb vielleicht nicht ganz typisch, empört sich z.B. darüber dass in der Kirche nur die Männer reden dürfen.
Sie schwärmt für Tom Jones und hat sogar schon einmal ein Live-Konzert von ihm gesehen. Wieso sie Tom Jones kennt? Ganz einfach, sie arbeitet als Kinderfrau bei einer 'normalen' Familie' und dort fernzusehen ist nicht verboten.
So ganz eng sieht sie selbst es nicht mit den strikten Regeln, sie hat auch heimlich ein Foto von ihrem verstorbenen Vater (dass er selbst nie gesehen hat).
4 Stunden vergehen wie im Flug, zum Schluss dürfen wir sie sogar fotografieren und müssen ihr nur versichern, die Fotos zu schicken aber nicht zu veröffentlichen. Das versprechen wir gerne.

Der Shenandoah NP in Virginia liegt als nächstes auf unserer Route, ein Skyline Drive von etwa 100 Meilen auf dem Kamm der Berge mit spektakulären Ausblicken auf die herbstliche Pracht und eiskalten Nächten.
Am Ende des Parks liegt Charlottesville, dort fahren wir eigentlich nur hin,um Nichte Saskia zu besuchen, die hier ein einjähriges Stipendium als Studentin verbringt und im 'Deutschen Haus' für Ordnung und Deutsche Kultur sorgen soll (als wir kommen hat gerade ein Oktoberfest stattgefunden, allerdings ohne Alkohol ?!) Charlottesville ist zu unserer Überraschung auch als Stadt lohnenswert, wir besuchen das berühmte Monticello (Haus von Thomas Jefferson).  Die Universität , alt und Weltkulturerbe, sieht aus wie aus einem alten Film (mit Säulengängen, Rotunda etc. ).

Weiter fahren wir über den Blue Ridge Parkway, 470 Meilen lang und wohl einer der attraktivsten Scenic Drives in Amerika. Fast jeden Morgen werde ich von Heiner aus dem Schlaf gerissen, um an vorher ausgesuchten Stellen den Sonnenaufgang zu erleben. Frühstück und selbst Kaffee gibt es leider erst danach .

Ende Oktober erreichen wir den Great Smoky Mountains NP. Mit über 9 Millionen Besuchern (jährlich) ist er der meistbesuchte Nationalpark der USA und für uns das Ende des Indian Summer, aus dem inzwischen wegen einer erneuten Kaltfront eher ein Indian Winter geworden ist.
Uns zieht es jetzt doch etwas schneller in Richtung Süden , zumal unser Freund Luis in Miami bereits 2/3  unserer Diafilme entwickelt hat (für jeden von uns  etwa 2000 Bilder!) und wir natürlich auf die Ergebnisse sehr gespannt sind.

Wir besuchen noch Charleston in South Carolina  (alte Baumwollplantagen mit Eichenalleen) und auch die wunderschöne Boone Plantation in Georgia mit einer über 100 m langen Eichenallee können wir empfehlen, hier wurden übrigens die Aussenaufnahmen zu "Fackeln im Sturm" gedreht.
Zwei Tage später erreichen  wir  Florida, angenehm warm im November. Das Kennedy Space Center  haben wir endlich einmal besichtigt, leider war gerade kein Shuttle auf der Rampe. Auch zu  Seaworld kann ich Heiner noch überreden, aber danach fahren wir zu Luis nach Miami.
Eine Woche verbringen wir dann noch auf den Keys, und dann zieht es uns über die Weihnachtsfeiertage nach Deutschland. Unsere Seabreeze verlebt die Feiertage auf Luis Garageneinfahrt.