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4. Etappe: Von Pennsylvania nach Florida
Vorwort: Eine
(fast) unglaubliche Geschichte:
Wir erreichen Pennsylvania
und unser erstes Ziel ist ein Aussichtspunkt am Delaware River. Leider
sind wir etwas spät, die Sonne ist gerade verschwunden, der Parkplatz
leer, nur ein einsamer Fotograf packt gerade sein Stativ ins Auto.
Wir halten neben
ihm und Heiner fragt ihn nach einem guten Standpunkt, weil wir am nächsten
Tag wiederkommen wollen.
Er ist nett und gesprächig,
"Italian Origin", war früher Fussballprofi und hat auch schon mal
gegen Beckenbauer gespielt, sagt er. Wo wir denn heute nacht bleiben, will
Nicodemo Rinaldis (What a name!) wissen. "Wir suchen irgendeinen Campingplatz
mit Dusche", antworten wir.
"Kommt doch mit
zu mir", schlägt er vor. "Auf meiner Einfahrt könnt Ihr parken
und eine Dusche habe ich auch". Heiner und ich schauen uns an und wissen:
das machen wir.
Er fährt 16 Meilen voraus, wir hinterher. Carmela, seine Frau, schaut zunächst verdutzt, ist so etwas von ihrem Mann aber gewohnt. Sie bereitet ein köstliches Abendessen, während wir mit Nico plaudern.
Er ist zu unserer
Überraschung und Freude nicht nur nett und gastfreundlich, sondern
darüber hinaus ein exzellenter Fotograf, aber auch Physiker und Philosoph
und schreibt auch noch Gedichte.
Dazu ist er ein
Energiebündel, wir teilen viele Interessen und nach kurzer Zeit haben
wir das Gefühl, mit einem alten Freund zusammen zu sein.
Was für ein
Glücksfall, denken wir, einem Fremden durch die Nacht zu folgen und
sich so wohl zu fühlen.
Dann platzt eine
kleine Bombe:
Heiner hat inzwischen
geduscht, sich rasiert und die Baseballkappe abgenommen. Nico schaut ihn
plötzlich an und fragt:
"Warst Du 1998 in
den USA?"
Heiner bejaht, "im
Juli, in Colorado". Und Nico fragt weiter: "Warst Du im Black Canyon of
the Gunnison?" "Ja", antwortet Heiner. "Und", so Nico, "hast Du dort morgens
um 6 Uhr den Canyon fotografiert?"
Plötzlich erinnert
sich auch Heiner: "Dann warst Du der Fotograf, der rechts neben mir stand,
mit einem Freund!"
Gesprochen haben
sie vor einem Jahr ausser "Good Morning" nicht miteinander, aber 60 Minuten
lang 10 m voneinander entfernt fotografiert, und sich jetzt - wenn auch
etwas verspätet - wiedererkannt.
Zufall, Fügung, Schicksal ???
Egal, wir verleben 2 wunderbare Tage mit den beiden, mit denen wir uns erstaunlich eng verbunden fühlen. Wir sollen noch bleiben, aber es zieht uns weiter, und so trennen wir uns schweren Herzens. Wir werden in Kontakt bleiben, und uns sicher wiedersehen, irgendwann!
4.Etappe
Die Amish People
in Lancaster/Pennsylvania
sind unser nächstes Ziel.
Diese konservative
religiöse Gemeinschaft lebt noch - im Lancaster County relativ konzentriert-
wie im letzten Jahrhundert und lehnt alle technischen Errungenschaften
der Neuzeit ab (z.B. Strom, Autos, Telefon und künstl.Bewässerung).
Entsprechend pittoresk sind sie anzusehen, mit ihren Hosenträgern,
Hüten oder Häubchen, in ihren Pferdekutschen im normalen Strassenverkehr,
oder beim Pflügen der Felder mit dem Vierspänner.
Leider wollen sie
nicht von vorne fotografiert werden, aus religiösen Gründen lehnen
sie Bildnisse ab, und das müssen wir natürlich respektieren.
Trotzdem mischen
sie im Tourismusgeschäft kräftig mit, vor allem mit Kunsthandwerk
(Quilts) aber auch mit Restaurants. "Amish Food" (natürlich nach alten
Rezepten) scheint lecker zu sein, denn die Restaurants haben mittags Warteschlangen.
In der örtlichen
"Public
Library" von Strasburg, beim Checken unserer emails,lernen wir
Sandy, die Leiterin, kennen. Wir kommen ins Gespräch und erzählen
ihr, wie sehr wir bedauern, die Amish People nur aus der Sicht der Touristen
und von Ferne zu sehen, ohne sie näher kennenlernen zu können.
Zu unserer grossen
Überraschung und Freude bietet sie uns an, Kontakt zu einer
Amish Frau herzustellen. Am nächsten Tag, ab 10:00Uhr, sollen wir
Mary Fisher zu Hause besuchen. Das machen wir, und erleben eine Überraschung:
Mary Fisher bewohnt
ein kleines altes Haus mit Garten, viele Kerzen brennen, obwohl es auch
eine Gaslampe gibt. Sie ist 58, unverheiratet (eine Seltenheit und nicht
ganz einfach) und von erfrischender Offenheit. Sie ist deshalb vielleicht
nicht ganz typisch, empört sich z.B. darüber dass in der Kirche
nur die Männer reden dürfen.
Sie schwärmt
für Tom Jones und hat sogar schon einmal ein Live-Konzert von ihm
gesehen. Wieso sie Tom Jones kennt? Ganz einfach, sie arbeitet als Kinderfrau
bei einer 'normalen' Familie' und dort fernzusehen ist nicht verboten.
So ganz eng sieht
sie selbst es nicht mit den strikten Regeln, sie hat auch heimlich ein
Foto von ihrem verstorbenen Vater (dass er selbst nie gesehen hat).
4 Stunden vergehen
wie im Flug, zum Schluss dürfen wir sie sogar fotografieren und müssen
ihr nur versichern, die Fotos zu schicken aber nicht zu veröffentlichen.
Das versprechen wir gerne.
Der Shenandoah
NP in Virginia
liegt als nächstes auf unserer Route, ein Skyline
Drive von etwa 100 Meilen auf dem Kamm der Berge mit spektakulären
Ausblicken auf die herbstliche Pracht und eiskalten Nächten.
Am Ende des Parks
liegt Charlottesville, dort fahren wir eigentlich nur hin,um Nichte
Saskia zu besuchen, die hier ein einjähriges Stipendium als Studentin
verbringt und im 'Deutschen Haus' für Ordnung und Deutsche Kultur
sorgen soll (als wir kommen hat gerade ein Oktoberfest stattgefunden, allerdings
ohne Alkohol ?!) Charlottesville ist zu unserer Überraschung auch
als Stadt lohnenswert, wir besuchen das berühmte Monticello
(Haus von Thomas Jefferson). Die Universität , alt und Weltkulturerbe,
sieht aus wie aus einem alten Film (mit Säulengängen, Rotunda
etc. ).
Weiter fahren wir über den Blue Ridge Parkway, 470 Meilen lang und wohl einer der attraktivsten Scenic Drives in Amerika. Fast jeden Morgen werde ich von Heiner aus dem Schlaf gerissen, um an vorher ausgesuchten Stellen den Sonnenaufgang zu erleben. Frühstück und selbst Kaffee gibt es leider erst danach .
Ende Oktober erreichen
wir den Great Smoky Mountains NP. Mit über 9 Millionen Besuchern
(jährlich) ist er der meistbesuchte Nationalpark der USA und für
uns das Ende des Indian Summer, aus dem inzwischen wegen einer erneuten
Kaltfront eher ein Indian Winter geworden ist.
Uns zieht es jetzt
doch etwas schneller in Richtung Süden , zumal unser Freund Luis in
Miami
bereits 2/3 unserer Diafilme entwickelt hat (für jeden von uns
etwa 2000 Bilder!) und wir natürlich auf die Ergebnisse sehr gespannt
sind.
Wir besuchen noch
Charleston
in South Carolina (alte Baumwollplantagen mit Eichenalleen)
und auch die wunderschöne
Boone Plantation in Georgia
mit einer über 100 m langen Eichenallee können wir empfehlen,
hier wurden übrigens die Aussenaufnahmen zu "Fackeln im Sturm" gedreht.
Zwei Tage später
erreichen wir Florida, angenehm warm im November. Das Kennedy
Space Center haben wir endlich einmal besichtigt, leider war
gerade kein Shuttle auf der Rampe. Auch zu Seaworld kann ich
Heiner noch überreden, aber danach fahren wir zu Luis nach Miami.
Eine Woche verbringen
wir dann noch auf den Keys, und dann zieht es uns über die
Weihnachtsfeiertage nach Deutschland. Unsere Seabreeze verlebt die Feiertage
auf Luis Garageneinfahrt.